Oberellenbach, ev. Johanneskirche (2024)
Neue Gestaltungen für den Altarraum der Johanneskirche in Oberellenbach
Entwürfe: Atelier Michael Lönne + Jörn Neumann, Paderborn, 2023
Arbeiten am Altarfenster
Das Konzept sieht vor, eine dreiteilige Vorsatzverglasung etwa in der Mitte der Laibung auf einem schlanken Unterbau aus Metall reversibel zu montieren. Umlaufend geschliffene, polierte, thermisch leicht strukturierte Trägergläser werden nach Entwurfsvorlage händisch emailliert. Der Pinselduktus ist sichtbar. Sowohl Mal- als auch Einbrennvorgang wiederholen sich mehrere Male.
Die Glasfarben werden je nach Tageszeit und Sonnenstand unterschiedlich intensiv wahrgenommen. Wechselnde Lichtverhältnisse im Kirchenraum führen dazu, dass sich die hinteren Sprossen und der Unterbau als Schattenzeichnung unterschiedlich stark auf der vorgesetzten Glasebene abzeichnen.
Am 9. Februar 2024 fand ein gemeinsamer Aufmaßtermin mit der ausführenden Werkstatt in der Johanneskirche statt. Währenddessen wurden noch einmal die Lichtverhältnisse im Kirchenraum überprüft. Im Hinblick auf die Wirkung des Fensters als Vorsatzverglasung bekräftigte sich die Ansicht, transluzente opalisierende und opake Farben zu verwenden, wie bereits bei der Präsentation der Entwürfe anhand eines Glasmusters vorgestellt.
März 2024
Die folgenden Bilder bieten einen verkürzten Einblick in den Entstehungsprozess:
Das Fenstermotiv muss getreu der Entwurfsvorlage auf die Trägergläser übertragen werden. Computergeschnittene Maskierfolien dienen als Hilfsmittel. Die beim Malprozess benötigten freien Bereiche werden zuerst entgittert. Transferfolien aus selbstklebendem Papier sorgen für die Stabilisierung der Folien.
Vor der Bemalung der Originalgläser werden Farbmuster erstellt, die Schichtstärken der einzelnen Farben getestet und ermittelt. Die verwendeten Farben sind Blau, Rot und Weiß in jeweils zwei Stufen, Gelbgrün, Grün und Schwarz.
Um die pulverförmigen Glasschmelzfarben verwenden zu können, werden sie zuerst mit einem speziellen Malmedium und Gummi arabicum angepastet.
Die Farben werden händisch auf die Trägergläser aufgebracht. Nach jedem Malschritt muss die Maskierung wieder entfernt werden.
Die Gläser werden nun gereinigt und für den Brand im Glasbrennofen bereitgelegt.
Glasfarben bestehen aus Glaskörper und Glasfluss und verbinden sich während der Aufheizphase mit der Glasoberfläche. Die Einbrenntemperatur wird je nach Farbe zwischen 650° und 680° gewählt. Nach dem Beschichten einer weiteren Farbebene muss diese zuerst wieder trocknen, bevor die Maskierfolie entfernt werden kann.
Die nächste Ebene wird aufgemalt, in diesem Fall ein helles Blau. Bei jeder neuen Malschicht muss berücksichtigt werden, dass die endgültige Farbgebung erst durch den thermischen Einbrennprozess erreicht wird
Nun folgen zwei Ebenen aus selbsthergestellten Grüntönen. Dabei wird das dunkle Grün über das hellere Gelbgrün gemalt.
Die Sättigung der einzelnen Farben lässt sich durch den Farbauftrag steuern. Unterschiedliche Temperaturen beeinflussen zusätzlich die Farbintensität – auch bei der zweiten Blauebene.
In einem weiteren Arbeitsschritt wird die dunkelste Farbe aufgemalt. Beim Blick auf die Glasoberfläche erscheint sie ganz deckend. Erst im Durchlicht entsteht ein von Grau bis Schwarz changierender Farbeindruck.
Abschließend werden die bisher ausgesparten Buchstaben und Textzeichen sowie Teile der hellen Hintergrundfläche rot gefärbt.
Arbeiten am Altarkreuz
Die folgenden Bilder bieten einen verkürzten Einblick in den Entstehungsprozess (Fotos: alboe - Alfons Böcker GmbH & Co.KG, Manufaktur für Metalldesign, Drensteinfurt):
Arbeiten an den Altarleuchtern
Die folgenden Bilder bieten einen verkürzten Einblick in den Entstehungsprozess (Fotos: alboe - Alfons Böcker GmbH & Co.KG, Manufaktur für Metalldesign, Drensteinfurt):
Neue Gestaltungen für den Altarraum der ev. Johanneskirche in Oberellenbach
Entwürfe: Atelier Michael Lönne + Jörn Neumann, Paderborn, 2023
Gedanken zum Altarfenster-Entwurf
Der Entwurf reagiert auf Vorgefundenes und verbindet Vorgaben der Johanneskirchengemeinde mit eigenen konzeptionellen Überlegungen. Ziel des Entwurfes ist es, dem Altarraum ein konzentriertes Zentrum zu verleihen.
Langhaus und Altarraum der Johanneskirche sind durch einen runden Chorbogen verbunden. Umlaufend sind vegetabile Formen in Lachsrot und Dunkelgrau aufgemalt. Die stark kontrastierenden Gewölberippen im Altarraum setzen einen weiteren Akzent. Aktuell bleiben die vom Kirchenschiff gerichteten Blicke förmlich an der lebhaften Ausmalung des Chorbogens und den dunkel gefassten Architekturelementen haften.
Das zentrale Ostfenster wird durch eine neugestaltete Vorsatzverglasung besonders betont. Den Hintergrund dafür bildet die farblose Rechteckscheibenverglasung mit dezenter Struktur in einem Sprossenrahmen. Die Breite orientiert sich am Maß der bestehenden Verglasung. Der Entwurf sieht ein hochrechteckiges Farbfeld mit differenzierter Gestaltung vor. Weder der Spitzbogen des Fensterrahmens noch der obere Abschluss der Laibung werden übernommen. Dies würde historisierend wirken.
Das Thema „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. […]“ (Joh 15,5) wird als Leitidee für den Fensterentwurf aufgegriffen. Jesu Wort vom Weinstock findet im Bild eine neue Interpretation. Die gestalterischen Merkmale verweisen auf ihren religiösen Inhalt. Sie entziehen sich aber dem genauen und vollständigen Erfassen.
Ausgangspunkt ist die lineare Einteilung der Bestandsverglasung. Das grobe Raster wird kleiner aufgefächert und mit Textfragmenten sowie einer daraus generierten Struktur in Einklang gebracht. Die Proportion der feingliedrigen Elemente orientiert sich am Beispiel der grafischen ornamentalen Gewölberippen-Ausmalung. Für die Darstellung der Textzeilen werden Minuskeln eines Monospace Fonts verwendet, da Buchstaben und Leerzeichen die gleiche Breite haben. Die Schriftgröße berücksichtigt die Lesbarkeit von Buchstaben aus großer Entfernung.
Grundlage bilden die dem Vers 5 voran gesetzten Worte bleibt in mir und ich in euch. Die ungewöhnliche Trennung des Bindeworts und lässt den Vers wie endlos fortgeschrieben erscheinen. Der Gestaltungsvorschlag verwandelt die Buchstaben spielerisch Zeile für Zeile in bruchstückhafte Lettern. Die einzelnen Entwicklungsstufen sind Zeichen des geistlichen Wachstums und ein Hinweis auf die im Text transportierte Bedeutsamkeit der direkten Verbindung zwischen Jesus Christus und den Glaubenden. Bei näherer Betrachtung kann die Metamorphose der Worte entdeckt werden.
Für die Verbundenheit steht hier auch das warme Rot. Es ähnelt dem Lachsrot im Kirchenraum. In der Bildmitte schaffen Blautöne als Farben des Himmels und des Wassers Übergänge zum Grün, das wiederum an sprießende Blätter denken lässt. Die Farbzonen sind nie großflächig angelegt, sondern analog zu den Buchstaben stets in das Raster eingebunden. In Verbindung mit Weiß und einem kontraststarken Dunkelgrau durchziehen changierende vertikale Reihen die Textbereiche und beleben die Fläche.
Gedanken zum Entwurf für ein neues Altarkreuz
Das Kreuz besteht aus einem quadratischen Fuß, einer schlanken vierkantigen Metallstange und einem gleichschenkligen griechischen Kreuz. In der Gestalt des Kreuzes kommt die Klarheit des Altarraums der Johanneskirche zum Ausdruck. Die Architektur des Altarraums wird durch die rechtwinklige Kreuzung von zwei Tonnengewölben gebildet. In Analogie definiert sich das Altarkreuz über zwei einander durchdringende Quader. Vergleichbar mit den markant hervortretenden Gewölberippen, weisen die Körperkanten nach vorn.
Die vier Kreuzarme bestehen aus u-förmigen Elementen, die im stetigen Wechsel von Öffnen und Schließen angeordnet sind. Es bieten sich vielfältige Ansichten. Bei frontaler Betrachtung wirkt das Kreuz visuell kompakt und undurchdringlich. Sobald aber die Blickrichtung oder der Standort geändert wird, bricht das Gefüge auf, dann leuchtet das Licht in diesen Bereichen ungehindert hindurch. Das Zusammenspiel zwischen lichtdurchlässigen und geschlossenen Mantelflächen erinnert dabei vielleicht an den in der Auferstehung überwundenen Kreuzestod – an die immer neue Verwandlung von Dunkelheit in Licht.
In Anlehnung an das Dunkelgrau der Gewölberippen wird die ausgewählte Metalllegierung dunkel patiniert. Durch unterschiedliches Raumlicht erscheinen die Mantelflächen des Kreuzes mal heller, mal dunkler, in unbelichteten Schattenräumen fast Schwarz.
Gedanken zum Entwurf für zwei neue Altarleuchter
Der Aufbau der Leuchter ähnelt dem des Kreuzes. Auch hier werden u-förmige Elemente zusammengefügt. Jeweils zwei werden über die Grundflächen miteinander verbunden und ein Baustein dabei um 90 Grad gedreht. Während die Arme des Kreuzes mit den offenen Seiten im Zentrum zusammentreffen, weisen die Öffnungen der Leuchter nach außen. Die Leuchter bestehen aus demselben Material wie das Altarkreuz. Durch das Aufgreifen der Formensprache wird ein stimmiges Ganzes erreicht.
Die Leuchter können variabel aufgestellt werden. Sie sind zerlegbar und dadurch einfach und gut zu reinigen. Es werden Altarkerzen mit einem Durchmesser von 60 mm empfohlen. Sie stehen auf Kerzendornen, die in das Gewinde der Grundflächen eingeschraubt werden.
© 1992–2026 Atelier Michael Lönne + Jörn Neumann Email: [email protected]
